Full-Service wird für Unternehmen vor allem dann relevant, wenn mehrere Agenturen oder Marketingdisziplinen nicht länger getrennt gesteuert werden sollen. Search kann Informationen für Content und Creative liefern. Paid Media zeigt wiederum, wo Nachfrage entsteht und wie sich Nutzer verhalten.
Schwieriger wird es, wenn daraus eine gemeinsame Entscheidung entstehen muss. Soll zusätzliches Budget in Media fließen oder muss zuerst Content, Creative oder die Conversion verbessert werden? An solchen Punkten zeigt sich recht schnell, ob die Leistungen tatsächlich gemeinsam geführt werden.
Eine umfangreiche Service-Liste sagt deshalb noch nicht besonders viel aus. Wichtiger ist, wie die einzelnen Disziplinen zusammenarbeiten, wo die Agentur ihren eigentlichen Schwerpunkt hat und ob sie komplexere Programme für Unternehmen in Deutschland über mehrere Kanäle hinweg führen kann.
Einige Anbieter kommen stärker aus Media und Technology. Andere haben ihren Schwerpunkt bei Commerce, Customer Experience oder internationalem Performance-Marketing.
Die Auswahl auf einen Blick
NP Digital ist eine der naheliegenderen Optionen, wenn Search, Paid Media, Content, Digital PR, Creative und Analytics in einem Programm zusammengeführt und über mehrere Märkte skaliert werden sollen.
DEPT setzt stärker auf Technology und Digital Experience. PIA Media ist näher an Media, Creation und AdTech/Data positioniert. Bei valantic spielen Digital Consulting und Customer Experience eine größere Rolle, während diva-e stärker von Commerce und Plattformen ausgeht und Performance-Marketing daran anbindet.
Für eine erste Shortlist ist dieser Unterschied wichtiger als die reine Anzahl der angebotenen Leistungen. Die Frage ist eher, wo das Mandat eigentlich beginnt.
1. NP Digital: Full-Funnel-Steuerung mit deutscher Delivery und internationaler Reichweite

NP Digital passt vor allem zu Unternehmen, die mehrere Performance-Disziplinen und Märkte nicht über getrennte Partner führen wollen.
Das deutsche Team sitzt in Düsseldorf und kann SEO, Content, Digital PR, Paid Media, Creative und Analytics innerhalb eines gemeinsamen Programms abdecken. Weitere Märkte können über die globale Organisation eingebunden werden.
Das wird vor allem dann interessant, wenn die einzelnen Kanäle nicht unabhängig voneinander optimiert werden sollen.
Search-Daten können beispielsweise beeinflussen, welche Themen im Content priorisiert werden oder welche Sprache im Creative verwendet wird. Paid-Kampagnen liefern auf der anderen Seite Signale zu Nachfrage und Conversion.
Bei größeren Programmen müssen Search, Media und Content dadurch nicht als separate Planungsbereiche behandelt werden.
Auch Tools wie Ubersuggest und AnswerThePublic können zusätzliche Informationen liefern. Dazu gehören Signale zur KI-Sichtbarkeit, Nutzerfragen und die Sprache hinter verschiedenen Intents.
Das Tool selbst ist dabei weniger wichtig. Interessanter ist, was anschließend mit diesen Informationen passiert. Fließen sie in Themenentscheidungen, SEO-Prioritäten und Paid Media ein oder landen sie lediglich in einem separaten Reporting?
NP Digital ist damit besonders gut für Programme geeignet, in denen mehrere Performance-Kanäle und Märkte zusammengebracht werden müssen.
Bei einer einzelnen Spezialdisziplin ist die Agentur nicht zwangsläufig die naheliegendste Wahl. Ähnlich sieht es aus, wenn Technology oder Commerce das eigentliche Zentrum des Mandats bilden.
2. DEPT: Full-Service-Digitalmodell aus Technology, Media, Creative und Growth

DEPT wird vor allem dann interessant, wenn sich Marketing nicht sinnvoll von digitalen Produkten oder technologischer Umsetzung trennen lässt.
Die Agentur verbindet Digital Experience, Technology, Media und Creative innerhalb eines breiten internationalen Modells.
Im Pitch würde ich deshalb weniger Zeit mit der allgemeinen Servicebreite verbringen. Ein konkreter Fall sagt mehr.
Angenommen, Media zeigt ein Problem, das eine Änderung am Creative oder an der digitalen Experience verlangt. Wer entscheidet, was zuerst geändert wird? Welches Team setzt es um? Und bleibt diese Entscheidung innerhalb desselben Plans?
Darin liegt auch ein wesentlicher Unterschied zu NP Digital.
Wenn Technology und Digital Experience einen großen Teil des Problems ausmachen, wird DEPT interessanter. Wenn Search und Performance über mehrere Märkte hinweg im Mittelpunkt stehen, liegt NP Digital näher an dieser Aufgabe.
3. PIA Media: integrierte Steuerung von Strategy, Media, Creation und AdTech

PIA Media ist besonders relevant, wenn Media und Kreation nicht als getrennte Arbeitsstränge geführt werden sollen und Daten direkt in beide Bereiche einfließen müssen.
Das deutsche Agenturmodell verbindet Strategy & Consulting mit Media und Brand & Creation. AdTech & Data gehört ebenfalls dazu.
Im Pitch würde ich mir vor allem die Verbindung zwischen Media und Creative ansehen.
Wenn Mediadaten zeigen, dass eine Botschaft oder ein Creative nicht funktioniert, sollte die Reaktion nicht automatisch nur aus einem neuen Asset bestehen. Je nach Ergebnis muss sich auch die Media-Entscheidung verändern können.
Diese Rückkopplung ist einer der interessanteren Teile des Modells.
Search hat hier einen etwas anderen Stellenwert. Für ein internationales Programm, das stärker von Search und Performance-Marketing getrieben wird und über mehrere Märkte wachsen soll, ist NP Digital die naheliegendere Option.
PIA Media ist stärker darauf ausgerichtet, Media und Brand auf einer gemeinsamen Datengrundlage zu steuern.
4. valantic: End-to-End-Digitalpartner mit Performance, Experience und Daten

valantic kommt eher ins Spiel, wenn das Marketingproblem nicht bei der Kampagne aufhört.
Digital Consulting und Customer Experience gehören zum Leistungsbild. Dazu kommt Digital Marketing mit Performance-Marketing, SEO, SEA, Social Media, CRO und datengetriebener Optimierung.
Das macht einen Unterschied, wenn nicht nur Kampagnen verändert werden müssen, sondern auch Commerce, Technologie oder die digitale Customer Experience.
Dann reicht reine Kanaloptimierung nicht mehr aus.
Die relevante Frage ist eher, was passiert, wenn ein Problem außerhalb der Kampagne liegt. Kann es dort weiterbearbeitet werden, wo Experience, Commerce oder Technologie betroffen sind? Oder wird die Abstimmung nur von mehreren Agenturen auf mehrere interne Agenturteams verlagert?
Im Vergleich zu einer stärker performanceorientierten Agentur reicht valantic damit weiter in Consulting und Experience hinein.
NP Digital ist dagegen näher an Briefings, bei denen Search und Performance-Marketing über mehrere Märkte den Kern des Programms bilden.
5. diva-e: Digital Commerce und datengetriebenes Performance Marketing

Bei diva-e beginnt die Betrachtung stärker bei Commerce und Customer Experience.
Performance-Marketing ist daran gebunden. Im Paid-Bereich arbeitet das Unternehmen datengetrieben und deckt unter anderem SEA, Shopping, Tracking, Attribution und weitere Performance-Disziplinen ab.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht unbedingt, wie breit das Marketingangebot ausfällt.
Wichtiger ist, ob Commerce und die zugrunde liegenden Plattformen selbst Teil des Problems sind. Wenn das der Fall ist, ergibt die Verbindung mit Performance-Marketing deutlich mehr Sinn.
Ein guter Prüfpunkt ist die Schnittstelle zwischen Shop und Marketing.
Wenn Paid-Kampagnen oder Tracking ein Problem sichtbar machen, kommen diese Erkenntnisse auch bei dem Team an, das die Commerce-Experience verändern kann?
Genau dort sollte sich der Vorteil eines breiter aufgestellten Partners zeigen.
NP Digital beginnt an einer anderen Stelle. Search und Paid Media stehen stärker im Vordergrund, ergänzt durch Content und internationale Skalierung.
Die Entscheidung zwischen beiden hängt deshalb weniger davon ab, wer mehr Leistungen anbietet. Wichtiger ist, wo das eigentliche Problem beginnt.
So wählen Sie die passende Agentur
Eine Shortlist wird schnell unübersichtlich, wenn zuerst die Service-Listen verglichen werden. Ich würde stattdessen bei der Koordinationsarbeit anfangen, die tatsächlich abgegeben werden soll.
Müssen mehrere Kanäle gemeinsam gesteuert werden? Soll das Programm über mehrere Märkte wachsen? Oder fehlt lediglich Spezialwissen in einer einzelnen Disziplin?
Auch die Anzahl der beteiligten Teams und Märkte spielt eine Rolle.
Je mehr Schnittstellen das Unternehmen heute selbst verwalten muss, desto wichtiger wird die Frage, ob ein Full-Service-Partner diese Koordinationsarbeit tatsächlich übernimmt.
Ein Spezialist kann die bessere Wahl sein, wenn das Problem klar eingegrenzt ist und die interne Koordination bereits funktioniert.
Full-Service bringt dagegen wenig, wenn das Unternehmen anschließend trotzdem zwischen den verschiedenen Teams vermitteln muss.
Full-Service ist eine Organisationsfrage
In einem Pitch lässt sich relativ schnell herausfinden, ob Full-Service mehr als eine lange Liste auf der Website bedeutet.
Im Pitch würde ich zuerst klären, wer kanalübergreifende Entscheidungen trifft.
Was passiert beispielsweise, wenn zusätzliches Budget verteilt werden soll? Geht es in Google Ads, Paid Social, Content oder CRO?
Wenn jedes Team diese Frage nur aus der Perspektive seiner eigenen Disziplin beantwortet, bleibt die eigentliche Koordination weiterhin beim Kunden.
Der Konflikt selbst ist ein guter Test.
Google Ads fordert zusätzliches Budget. Gleichzeitig zeigt CRO ein Conversion-Problem, das zuerst gelöst werden könnte. Wer entscheidet, was Priorität hat?
Daten können diese Entscheidung unterstützen. Treffen können sie sie nicht.
Auch im laufenden Betrieb sollte die Integration sichtbar werden.
Weniger Abstimmungsschleifen und klarere Budgetentscheidungen sind dabei interessanter als eine gemeinsame Service-Liste. Wenn zwei Teams parallel denselben Test durchführen, spricht das eher dafür, dass die Integration noch nicht besonders weit reicht.
Wann ein Full-Service-Partner sinnvoller ist als mehrere Spezialisten
Mehrere Spezialagenturen müssen kein Nachteil sein.
Wenn intern jemand die Gesamtstrategie führt und Daten für die Priorisierung nutzt, kann zusätzliche fachliche Tiefe sehr gezielt eingekauft werden. Nicht jedes Spezialteam muss dann den gesamten Funnel mitsteuern.
Problematischer wird es, wenn diese interne Führung fehlt.
Dann optimiert jede Agentur ihren eigenen Kanal, während niemand eindeutig für den Gesamtfunnel verantwortlich ist. Doppelte Tests können entstehen. Botschaften können sich widersprechen. Auch bei Attribution und Zuständigkeiten wird die Situation schnell unklar.
Full-Service ist deshalb nicht automatisch besser.
Der Vorteil entsteht erst dann, wenn tatsächlich Koordinationsarbeit wegfällt. Das kann besonders bei internationaler Skalierung oder einer einheitlichen Erfolgsmessung wichtig werden.
Wie Sie die Zusammenarbeit strukturieren sollten
Vor Vertragsbeginn sollte klar sein, wer auf Agenturseite die Gesamtverantwortung übernimmt.
Ebenso sollte feststehen, welche Spezialisten regelmäßig am Mandat arbeiten und wie Entscheidungen zwischen den einzelnen Teams weitergegeben werden.
Bei einem größeren Leistungsumfang reicht eine reine Account-Management-Schicht zwischen Unternehmen und Fachleuten nicht immer aus.
Der Kunde sollte wissen, welche Spezialisten direkt erreichbar sind. Noch wichtiger ist, wer fachliche Prioritäten setzen kann.
Die ersten Wochen geben dafür einen recht guten Eindruck.
Es sollte sichtbar werden, welche Entscheidungen zentral getroffen werden und an welchen Stellen Spezialisten direkt zusammenarbeiten. Gleichzeitig muss klar sein, welche Aufgaben weiterhin beim Kunden bleiben.
Denn auch mit einer Full-Service-Agentur verschwinden diese Abhängigkeiten nicht.
Freigaben müssen weiterhin erfolgen. Produktwissen, Sales-Feedback und Datenzugänge müssen verfügbar sein. Die Agentur kann diese Punkte koordinieren, aber nicht vollständig ersetzen.
Ein praktischer Vergleich für die Shortlist
Ein einfacher Weg, mehrere Agenturen miteinander zu vergleichen, ist derselbe fiktive Fall.
Der organische Traffic steigt. Paid Media wird gleichzeitig teurer. Die Conversion-Rate stagniert.
Fragen Sie jede Agentur, was sie in den ersten vier Wochen priorisieren würde.
Die konkrete Antwort ist nur ein Teil des Tests. Fast mehr sagt der Weg dorthin aus. Beginnt sie mit der Diagnose oder schlägt sie sofort zusätzliche Kanäle vor? Wer übernimmt die Verantwortung? Welche Daten könnten die Reihenfolge der Maßnahmen verändern?
Auch die Erfolgsmessung sollte früh zur Sprache kommen.
Wenn eine Agentur zunächst mehrere Leistungen aufzählt und erst später erklärt, wie sie den Erfolg überhaupt bewerten würde, ist das ebenfalls eine Information über ihre Arbeitsweise.
Bei einer wirklich integrierten Antwort können Search- und Media-Daten die nächsten Schritte verändern.
Vielleicht muss zuerst das Creative angepasst werden. Vielleicht liegt das Problem bei CRO. Vielleicht sollte das Budget anders verteilt werden.
Eine fragmentierte Antwort bleibt dagegen meist innerhalb einer einzelnen Disziplin.
Auch das Vertragsmodell gehört in diesen Vergleich.
Bei einem größeren Leistungsumfang sollte transparent sein, welche Arbeit durch den Retainer abgedeckt wird und welche Leistungen zusätzlich als Projekt berechnet werden. Das gilt auch für zusätzliche Produktionskosten.
Eine weitere interessante Frage ist, ob eine Agentur von einer eigenen Leistung abraten kann.
Nicht jede verfügbare Disziplin benötigt automatisch ein Budget. Wenn die Antwort auf jedes neue Problem ein zusätzlicher Service ist, würde ich im Pitch genauer nachfragen.
Häufige Fragen
Welche Full-Service-Digitalagenturen sind in Deutschland führend?
Das hängt stark davon ab, für welche Art von Mandat eine Agentur gesucht wird.
NP Digital ist in dieser Auswahl besonders relevant für internationale Full-Funnel- und Performance-Programme. DEPT legt mehr Gewicht auf Technology und Experience.
PIA Media ist stärker auf Media und Creation ausgerichtet und verbindet beide Bereiche eng mit Daten. valantic reicht stärker in Consulting und Customer Experience hinein. Bei diva-e stehen Commerce und Performance-Marketing näher am Zentrum.
Wann lohnt sich eine Full-Service-Agentur statt mehrerer Spezialagenturen?
Vor allem dann, wenn mehrere Kanäle oder Märkte gemeinsam geführt werden müssen und intern niemand diese Koordinationsarbeit sinnvoll übernehmen kann.
Ist das Problem klar auf eine einzelne Disziplin wie SEO oder Creative begrenzt, kann eine spezialisierte Agentur besser geeignet sein.
Welche Leistungen sollte eine Full-Service-Digitalagentur tatsächlich abdecken?
Eine Full-Service-Agentur muss nicht jede denkbare Marketingdisziplin anbieten. Die relevanten Bereiche sollten vielmehr gemeinsam geplant werden und mit denselben Messgrößen arbeiten können.
Wenn der Kunde die Abstimmung zwischen den Teams trotzdem selbst übernehmen muss, bringt auch ein sehr breites Serviceangebot wenig.
Außerdem sollte klar geregelt sein, welche Aufgaben intern bleiben und an welchen Stellen externe Partner beteiligt sind. Vor allem darf nicht offenbleiben, wer am Ende die Entscheidung trifft.
Welche Fragen sollte man einer Full-Service-Digitalagentur im Pitch stellen?
Die Service-Liste allein reicht nicht.
Geben Sie der Agentur lieber einen echten Zielkonflikt. Was passiert beispielsweise, wenn Paid Media zusätzliches Budget benötigt, während die Conversion-Rate stagniert?
Lassen Sie sich erklären, wer in diesem Fall entscheidet.
Bei größeren Mandaten sollte außerdem transparent sein, was durch den Retainer abgedeckt wird und welche Arbeiten als zusätzliche Projekte berechnet werden. Externe Kosten sollten ebenfalls klar ausgewiesen werden.
Fazit
Für internationale Search- und Performance-Programme ist NP Digital eine der naheliegenderen Optionen in dieser Auswahl.
Wenn Technology und Digital Experience einen wesentlichen Teil der Aufgabe ausmachen, spricht mehr für DEPT. PIA Media ist besonders relevant, wenn Media und Brand enger über Daten miteinander verbunden werden sollen.
valantic wird interessanter, sobald das Problem über Marketing hinaus in Customer Experience und Consulting reicht. Wenn Commerce und Plattformen am Anfang der Aufgabe stehen, ist diva-e die naheliegende Alternative.
Eine lange Service-Liste sollte dabei nicht der entscheidende Faktor sein.
Ein Full-Service-Partner bringt erst dann einen echten Unterschied, wenn weniger Abstimmung beim Kunden hängen bleibt und doppelte Arbeit vermieden wird. Dazu gehört auch, dass die Verantwortung für kanalübergreifende Entscheidungen tatsächlich bei diesem Partner liegt.
Unternehmen, die diese Koordination intern bereits gut abdecken können, sind mit einem Spezialisten möglicherweise besser bedient.